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Leben in Naafs Mühle (12.08.06)
Ein weiteres Wohnheim entsteht im Naafbachtal
Die OGB lässt die Mühle im Naturschutzraum des idyllischen Naafbachtals von Fachleuten sanieren. Im Sommer 2007 sollen dort acht bis maximal vierzehn Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren einziehen. Lesen Sie hier mehr.
Neues Leben kommt in die alte Mühle
von Ingo Lang
Lohmar. Besser hätte es nicht kommen können, freut sich Peter Wolff, Denkmalpfleger der Stadt Lohmar. Denn in diesen Tagen beginnt die Restaurierung der Naafer Mühle, eines historischen Kleinods in landschaftlicher Idylle. Die 'Oberbergische Gesellschaft zur Hilfe für psychisch Behinderte' (OGB) hat das windschiefe Fachwerkensemble vom Aggerverband für 20 Jahre gepachtet und will dort im kommenden Jahr acht bis zwölf Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren in einem Wohnprojekt mit Betreuern einquartieren. Die sollen in einer 'Nacherziehungsphase' nach erfolgreicher Drogentherapie für Arbeit und Alltag fit gemacht werden.
Die OGB unterhält im Oberbergischen mit großem Erfolg acht Häuser für jeweils maximal 14 Bewohner, kümmert sich dazu ambulant um psychisch Behinderte. Mehr als 500 'Klienten' werden von 120 Beschäftigten betreut. Bevorzugt werden die Menschen in restaurierten Denkmälern untergebracht, in Häusern mit Charakter und wohnlichem Reiz.
Naturschutz
Dass dabei vieles nicht neuzeitlichen Komfortansprüchen genügt, ist geradezu erwünscht. So bleiben Wände schief, Böden krumm und die Deckenhöhe im Obergeschoss so niedrig, dass Menschen über 1,70 Meter Größe den Kopf einziehen müssen. Natürlich wird die Statik geprüft und alle Auflagen für Gebäude mit dieser Nutzung 'penibel eingehalten', betont Geschäftsführer Klaus Jöllenbeck. Der Naturschutz werde ebenso beachtet wie der Brandschutz.
Und Auflagen hat es für die neuen Pächter viele gegeben. So vertrat die Biologische Station Oberberg das Projekt der OGB im Landschaftsbeirat, das Rheinische Amt für Denkmalpflege musste die Sanierung und den geplanten Anbau an der südwestlichen Seite genehmigen, die Stadt Lohmar mit der neuen Nutzung einverstanden sein. Alles Hürden, die in den vergangenen zwei Jahren genommen wurden. Nun wird die Baugenehmigung erwartet.
Im Moment geht es darum, die 'denkmalwerte Substanz zu ermitteln', wie Wolff es nennt. Dazu hat die OGB die beiden Zimmerleute Uwe Bosewitz und Babu Klein auf die Baustelle geschickt, beides Experten für jahrhundertealte Fachwerkhäuser. Sie sind dabei, die Balken zu untersuchen, um zu sehen, ob sie noch tragfähig sind. Vorläufige Einschätzung: Die Substanz ist besser, als das Aussehen es vermuten lässt. Was saniert werden muss, wird punktgenau ausgetauscht und fachmännisch eingefügt, keine Hau-ruck-Sanierung nach dem Motto 'kaputt und neu'. Das erspare dem Bauherrn Kosten und entzücke die Denkmalschützer, fasst Jöllenbeck die Vorzüge dieses Vorgehens zusammen.
Wenn er Sponsoren findet, würde er am liebsten das weitgehend intakte Mahlwerk der Mühle wieder in Stand setzen lassen. Dann könnten die Bewohner der Mühle zu bestimmten Zeitpunkten Besichtigungen des historischen Gemäuers und der Mahltechnick anbieten. Ansonsten sollen die Jugendlichen abgebrochene Ausbildungen fortsetzen, Lehren beginnen oder zum Werker im Landschaftsschutz ausgebildet werden.
Apropos Landschafts- und Naturschutz - da die Mühle im Naturschutzraum des Naafbachtals steht, rücken dort in dieser Denkmal-Sanierungsphase keine vielköpfigen Handwerkertrupps an und bringen lärmend die Immobilie in Schuss, sagt Jöllenbeck. Zwei Zimmerleute mit Gespür fürs Alte und für die Umgebung würden das nun so leise und behutsam erledigen, dass weder die Flora auf der Strecke bleibe noch die Mitglieder der Fauna Reißaus nehmen müssten.
Im nächsten Sommer will Jöllenbeck die betreute Wohngruppe einziehen lassen. Bis dahin erstrahlt das heruntergekommene Ensemble wieder als Kleinod, ist sich Denkmalschützer Wolff sicher.
Text aus: Kölner Stadt-Anzeiger/Rhein-Sieg-Anzeiger vom 12. August 2006
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