Home Wohn- und Versorgungszentren Lindenhof, Hückeswagen Soziotherapeutisches Leistungsspektrum Einzel- und Gruppenbetreuung

Einzel- und Gruppenbetreuung

Milieu und Alltag sind die Basisfaktoren der soziotherapeutischen Förderung. Klima und Atmosphäre sind Voraussetzungen für einen Veränderungsprozess. Die Bewohner müssen mit ihren Ressourcen und Defiziten in einer angstfreien, toleranten und vertrauensvollen Einrichtungsatmosphäre angenommen werden. Der Alltag im Lindenhof orientiert sich möglichst an realen Lebensbedingungen, an einer Normalität ohne Suchtmittel. Der soziotherapeutische Betreuungsansatz beinhaltet ein handlungsorientiertes Vorgehen. Er beabsichtigt die Wiedererlangung oder den Aufbau lebenspraktischer Kompetenzen wie Kochen, Waschen, Einkaufen oder Hygiene, eine Auseinandersetzung mit Bedürfnissen wie Ruhen und Genießen oder mit Regeln wie Toleranz, Anpassung und Rücksicht. Die Übernahme von Aufgaben und Pflichten ist dabei von zentraler Bedeutung.

Neben dem Erwerb lebenspraktischer Kompetenzen sind die soziotherapeutischen Interventionen auf die Entwicklung einer sozialen Beziehungsfähigkeit gerichtet. Die individuelle Bezugsbetreuung gewährleistet eine konstante Begleitung und den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses. Der Aufgabenbereich umfasst individuelle Hilfen bei der Alltagsbewältigung, therapeutische Einzelgespräche und sozialarbeiterische Tätigkeiten und Hilfen (Behördenangelegenheiten, Anträge, Schuldenregulation usw.). Neben dem Hauptansprechpartner während des gesamten Aufenthalts besteht bei dessen Abwesenheit eine kontinuierliche Zweitbetreuung.

Die Bezugsbetreuung fördert auch die Kontakte und Beziehungen des Bewohners außerhalb der Einrichtung (z. B. Angehörige, Selbsthilfegruppe, gesetzlicher Betreuer, Bewährungshelfer oder Beratungsdienste). Bei einem Auszug und einer Übernahme in das Betreute Wohnen besteht die Möglichkeit, die Bezugsbetreuung etwa über tagesstrukturierende Einrichtungsangebote fortzuführen. Damit bleibt die Betreuungskontinuität bei einem Wechsel von der Einrichtungsunterbringung zur ambulanten Versorgung erhalten.

Im Sinne der heimatnahen Unterbringung werden die relevanten Bezugspersonen nach Möglichkeit in die Betreuung einbezogen. Vor dem Hintergrund der langjährigen chronifizierten Abhängigkeitserkrankung haben die Bewohner keine oder gestörte und problematische Beziehungen zu den Angehörigen und Bezugspersonen. Vorrangiges Ziel ist die Unterstützung des Bewohners bei der Klärung dieser Beziehungen. Hierzu werden Angehörigengespräche angeboten. Der Aufbau oder die Aufrechterhaltung der Kontakte und Beziehungen werden gefördert. Die heimatnahe Unterbringung ermöglicht vielfältige Kontaktaufnahmen. In der Einrichtung reichen sie von einem Treffen im Lindencafé oder der Teilnahme an Veranstaltungen über Tagesausflüge bis hin zu Übernachtungen der Angehörigen im Haus. Mehrtägige Beurlaubungen zu den Bezugspersonen unterstützen die Außenorientierung der Bewohner.

Mit der individuellen Hilfeplanung wird eine bedarfsgerechte Förderung ermöglicht. Bei Dokumentation und Zielplanentwicklung, bei der Bestimmung der Betreuungsschwerpunkte, Methoden und Therapieschritte ist der Bewohner aktiv beteiligt. Seine Sichtweise wird bewusst einbezogen, um eine gemeinsame Abstimmung zu erreichen. Über Fallbesprechungen im Team und bei der Supervision wird dieser Betreuungsprozess überprüft und reflektiert.

Neben der Einzelbetreuung erfolgt die psychosoziale Förderung der Bewohner über verschiedene Gruppenprozesse. In drei alters- und geschlechtsgemischten Wohngruppen können neben dem Erwerb alltagspraktischer Kompetenzen in einer geschützten Atmosphäre Solidarität, Auseinandersetzung und Konfrontation erlebt werden. Neu Aufgenommene leben zunächst in der zehn Personen umfassenden Gruppe des Hauptgebäudes. Nach einem Stabilisierungsprozess hinsichtlich Alltagsbewältigung sowie Beziehungs- und Kontaktfähigkeit wird nach Möglichkeit die Betreuung in einer der beiden vier Personen umfassenden Wohngruppe des Nebenhauses fortgesetzt. In der Bezugsbetreuung wird dieser Schritt unter Einbeziehung der zukünftigen Wohngruppe geplant und vorbereitet. In den Kleingruppen können aber auch Bewohner leben, die mit der Großgruppe psychosozial überfordert sind.

Im Alltag des Haupthauses gibt ein beständiger Tagesablauf mit handlungsorientierten Aufgaben Struktur und Orientierung. Praktische und konkrete Erfahrungen stehen im Vordergrund. Sie reichen von der Zimmerreinigung über das Wäschewaschen bis hin zu differenzierten Aufgaben wie Kochen und Einkaufen oder bis zur Organisation einer Freizeitaktivität. Die gezielte Selbstversorgung ohne Wirtschaftskräfte initiiert Selbstmanagementqualitäten. Die Binnendifferenzierung in drei selbständig wirtschaftende Wohneinheiten intensiviert das Selbstversorgungsprinzip. Neben der Einzelhilfe werden über die Gruppenangebote die lebenspraktischen Kompetenzen wie das Kochen geübt und erworben. In den Wohngruppen des Nebengebäudes sind die Tagesabläufe weniger strukturiert, um die Eigenverantwortung bei der Selbstversorgung stärker zu betonen. Hier werden in Wohngruppengesprächen die Organisation des Alltags und das Zusammenleben abgestimmt.

Das handlungsorientierte Vorgehen - „Alltag als Therapie“ - wird gruppenübergreifend in den montags und freitags stattfindenden Morgenrunden geplant und abgestimmt. Dabei nehmen die Bewohner über Vorschläge, Meinungsäußerungen und Kritik Einfluss auf die Abläufe. Durch die gewählten Bewohnersprecher (Heimbeirat) sind die Mitwirkungsmöglichkeiten institutionell verankert.

Regelmäßig stattfindende problemzentrierte Gesprächsgruppen mit bis zu zehn Bewohnern und zwei Gruppenleitern dienen der Entwicklung sozialer Kompetenzen, einer realistischen Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie einem angemessenen Problemlöseverhalten. Individuelle Probleme oder Konflikte, die sich aus dem Zusammenleben ergeben, werden thematisiert. Suchtspezifische Fragen, wie etwa die Bearbeitung von Rückfällen, stellen eine zentrale Aufgabenstellung dar. In den Gruppenprozess werden ein Entspannungstraining sowie Wahrnehmungs- und Konzentrationsübungen einbezogen.

Im Freizeitprogramm ermöglichen die verschiedenen Angebote eine konstruktive Auseinandersetzung mit sozialem Freiraum und geben Anregungen für die individuelle Freizeitgestaltung. Seidenmalerei, Töpfern oder Weben gehören zum Bereich des kreativen Gestaltens. Neigungsgruppen bilden sich, die etwa Rad fahren oder Schwimmen gehen. Kinobesuche, die Besichtigung eines Freilichtmuseums oder die Fahrt zu einem Bundesliga-Fußballspiel gehören zum Angebot. Die Bewohner werden zu Aktivitäten angeregt, die sie selbstständig unternehmen können. Für die von der Einrichtung angebotenen Freizeitfahrten steht ein hauseigener Kleinbus zur Verfügung. Den jährlichen Höhepunkt der Freizeitangebote stellt die einwöchige Ferienfreizeit dar, die vorwiegend in die Niederlande unternommen wird.

Die Bewegungs- und Sportangebote fördern ein positives Körpergefühl, verbessern die physische Leistungsfähigkeit und dienen damit der körperlichen und psychischen Gesundung. Die sportlichen Aktivitäten sollen Spaß und Freude an der Bewegung wecken. Dabei werden Angebote vermittelt, die in der Freizeit selbstständig fortgeführt werden können. Schwimmen, Gymnastik, Entspannungsübungen und Wanderungen gehören zum regelmäßigen Programm. Kegeln, Tischtennis oder der Fitnessraum stellen weitere Sport- und Bewegungserfahrungen dar. Da die Sportaktivitäten in der Regel in Gruppen durchgeführt werden, können sie auch soziale Lernprozesse unterstützen. Verschiedene Bewohner nehmen Angebote der örtlichen Rehabilitations- und Behinderten-Sportgemeinschaft wahr.

Viele Betreute leiden unter erheblichen Störungen der Gedächtnis- und Merkfähigkeitsfunktionen. Darüber hinaus bestehen Einschränkungen bei der Konzentration sowie der Wahrnehmungsfähigkeit. Durch die regelmäßig wiederkehrenden Abläufe im Tages- und Wochenprogramm kann ein hinreichendes Maß an Orientierung aufgebaut werden. Dabei können Gedächtnishilfen wie Kalender oder Pläne genutzt werden. Wöchentlich findet ein mentales Aktivierungstraining als spezielles Gruppenangebot statt. Die Übungen orientieren sich an den individuellen Ressourcen der Bewohner, um Erfolgserlebnisse hinsichtlich Konzentration, Wahrnehmung und Merkfähigkeit zu ermöglichen. Spiele werden eingesetzt, um Spaß, Motivation und eine Identifikation mit dem Angebot zu erreichen.
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